Tiefenpsychologie

In der heutigen Zeit leiden aufgrund des zunehmend anspruchsvoller werdenden Alltags immer mehr Menschen unter emotionalen Belastungen.
Neben körperlichen Erkrankungen spielen auch die seelischen Beschwerden in der heutigen Zeit eine große Rolle.
Diese können durch eine tiefenpsychologische Behandlung gelindert oder sogar komplett behoben werden.

Was genau ist die Tiefenpsychologie?

Die „Tiefenpsychologie“ ist schlicht ein Begriff, der die Wissensbereiche der unbewussten seelischen Vorgänge zusammenfasst, welche die Basis für das bewusste menschliche Erleben und Verhalten darstellen.

Ursprung & Entwicklung

Die Tiefenpsychologie wurde, gemeinsam mit der Psychologie, gegen Ende des 19. Jahrhunderts geboren.
Sigmund Freud, der „Vater der Psychoanalyse“, hat diese Behandlungsmethode am meisten geprägt und entwickelt.
Er nutzte dazu die Psychoanalyse und formulierte daraus die bestimmten Zusammenhänge, die in der Tiefenpsychologie bis heute verbindlich sind.
In der tiefenpsychologischen Behandlungssituation befinden sich der Patient und der Therapeut einander gegenüber in sitzender Position mit direktem Blickkontakt.
Weitere Mitstreiter auf diesem Gebiet waren Carl Gustav Jung (Analytische Psychologie) und Alfred Adler (Individualpsychologie).

Funktion & Wirkung & Ziele

Die tiefenpsychologische Behandlung hilft demzufolge, dass die Auslöser für das Vorhandensein emotionaler oder seelischer Beschwerden in Erfahrungen zu suchen sind, die bereits in der Vergangenheit gemacht wurden.
An erster Stelle stehen hierbei Erinnerungen und Eindrücke, die während es Kindseins entstanden sind.
Gerade in der Kindheit erfolgt eine entscheidende Prägung des Menschen, dessen Einflüsse massive Auswirkungen auf die weitere Entwicklung haben.
Ziel der tiefenpsychologischen Behandlung ist es, die Eindrücke aus dem früheren Leben zutage zu fördern.
Therapeut und Patient können somit gemeinsam an diesen Erinnerungen arbeiten.  Anders gesagt versucht der Therapeut hierbei, dem Patienten nicht bewusste Konflikte beziehungsweise schwierig zu bewältigenden Situationen nahe zu bringen.
Im Ergebnis kann dadurch ein besserer, gesunderer Umgang mit diesen Ereignissen erlernt werden.
Daraus folgt wiederum ein leichterer Umgang mit bestimmten belastenden Lebensumständen.
Der Fokus der tiefenpsychologisch fundierten Therapie liegt auf verdrängten Gefühlen und einmal oder mehrfach durchlebten Konflikten.
Zusätzlich liegt der Schwerpunkt in diesem Zusammenhang auf gegenwärtig vorliegenden Problemstellungen.
Der Therapeut hat eine wohlwollend unterstützende und gesprächsfördernde Position inne.
Diese soll das Erkennen von Denk- und Verhaltensweisen fördern, die dem Patienten nicht bewusst oder bislang nicht bekannt sind.
Neue Problembewältigungen werden erarbeitet und alte Einstellungen nach Möglichkeit durchdacht und abgelegt.
Oftmals bekommen die Patienten dadurch eine ganz neue Sichtweise auf die derzeitigen Lebensumstände.

Sitzungen & Dauer & Kosten

Die Einzel-Sitzungen werden einmal pro Woche vereinbart.
Um eine Überforderung der Patienten zu vermeiden, zieht sich eine Therapiestunde nicht länger als 50 Minuten hin.
Ideal sind ungefähr 60 bis 100 Stundeneinheiten.
Zielstellungen können sowohl mündlich abgesprochen als auch schriftlich niedergelegt werden.
Ein großer Vorteil der tiefenpsychologisch fundierten Therapie ist die einfache Kombinierbarkeit mit anderen wissenschaftlich begründeten therapeutischen Methoden wie Entspannungs- und Suggestivtechniken, der Kurzzeittherapie und der Analytischen Psychotherapie.
Die Therapie wird von den gesetzlichen und den privaten Krankenkassen bezahlt.
Das geschieht wegen der enormen Wirksamkeit für die unterschiedlichsten medizinischen Indikationen.
Um das Therapieziel zu erreichen, wird zwischen dem Patienten und dem Therapeuten ein sogenannter Therapievertrag vereinbart.
Dieser enthält beispielsweise formelle Punkte wie die Erledigung von „Hausaufgaben“, eine gute Vorbereitung auf die Sitzung, kein unentschuldigtes Fehlen sowie Pünktlichkeit.

Wann ist eine Psychotherapie ratsam?
  • Psychosomatische Krankheitsbilder (Beschwerden ohne körperliche Ursachen)
  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Schlafstörungen
  • Akute Lebenskrisen
  • Erschöpfungszustände​​​​​​​
  • Neurosen
  • Persönlichkeitsstörungen

Förderung & Stärkung

  • Alltagstauglichkeit
  • Eigenverantwortlichkeit
  • Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein
  • Konzentrations- und Lernfähigkeit
  • Eigenständiges Lösen von Konflikten
  • Selbstreflexion beziehungsweise Selbstwahrnehmung
  • Akzeptanz und Leben mit einer psychischen Krankheit
  • Genesung von psychischen Erkrankungen
  • Bewältigung von Zwängen und Ängsten
  • Abstand von Selbstmordgedanken

Die Tiefenpsychologie ist für viele Patienten eine enorme seelische Entlastung, weil sie sich mit einem interessierten Zuhörer und Berater austauschen können. Selbstzerstörerische Verhaltensweisen können oftmals schon nach dem ersten Termin ausgelöscht werden.
Die Patientinnen und Patienten werden so angenommen, wie sie sind. Die Mehrheit der Behandelten profitiert von den Sitzungen und zieht daraus reale Lösungen für ihr Leben und für ihre Persönlichkeit. Die Patienten werden zu einer Eigenständigkeit, einer sozialen Kompetenz und einer Autonomie in ihrem Alltag hingeführt. Sie handeln wieder eigenverantwortlich und nach ihren individuellen Vorstellungen.
Das bedeutet eine enorme Verbesserung der Lebensqualität und der Beziehungen zu ihrem Umfeld. In der Regel sind die in der Therapie umgesetzten Ziele langfristig, weil diese meist eine tatsächliche Veränderung der Person auslösen.

Gruppenpsychotherapie – in Weiterbildung seit 07/19

In einer Gruppenpsychotherapie erleben die Patienten im Umgang miteinander, wie sie ihre Beziehungen zu anderen Menschen gestalten.
Sie lernen, die eigenen Gefühle und Empfindungen besser wahrzunehmen und gleichzeitig auf anderen Menschen und deren Bedürfnissen, Beweggründen und  Sichtweisen offener zu begegnen.
In einer Gruppenpsychotherapie bekommt jedes Gruppenmitglied Rückmeldungen von mehreren, ganz unterschiedlichen Menschen – nicht nur vom Therapeuten.
Die Teilnehmenden machen die Erfahrung, dass andere ihre Probleme ganz anders angehen.
Neue Gruppenmitglieder erleben sehr schnell die besondere Kraft der Therapiegruppe. Die Gruppe wird zu einem stärkenden Ort, an dem intensiver Halt erfahren wird.
Dieser Halt ermöglicht es den Einzelnen auf beeindruckende Weise, schwierige Beziehungskonstellationen und damit verbundene seelische Störungen zu erleben, zu verstehen und zu bearbeiten.
Das neue Wissen kann im Lebensalltag erprobt und zur Weiterentwicklung wieder in die Gruppe eingebracht werden.

Zusammenfassend geht es in der tiefenpsychologisch fundierten Gruppentherapie um das Erleben und Verstehen einer grundlegenden inneren Dynamik, die uns Beziehungen auf eine bestimmte Art und Weise gestalten lässt. Diese Dynamik ist selbst das Ergebnis bisheriger Beziehungserfahrungen, sie wird geprägt von zumeist nicht bewussten inneren Motiven und Mustern. Innerhalb Gruppen entfaltet sich dies in einem sicheren Rahmen und einer offenen Gruppenkommunikation. Im Zentrum stehen dabei drei Bereiche: das Beziehungserleben in der Gruppe, gegenwärtige Konflikte sowie die eigene Lebensgeschichte.

Diagnose & Untersuchung

Vor einer psychotherapeutischen Sitzung werden in Hinsicht auf eine Diagnostik oder Krankheitserkennung folgende Fragen geklärt:

  • Anamnese oder Krankheitsgeschichte
  • Körperliche Erkrankungen
  • Einnahme von Arzneimitteln
  • Motivation des Patienten
  • Missbrauch von Alkohol, Medikamenten oder Drogen
  • Einstellung des Patienten zur Therapie

Mitnichten nicht alle diese Sachverhalte bedeutungsvoll, wenn eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie oder eine andere Psychotherapie „fruchten“ soll. Kommt ein Patient beispielsweise unter Drogen zum Therapeuten, wird ein Gespräch nur sehr schlecht möglich sein.
Treffen Patienten zu einem Termin in betrunkenem Zustand ein, kann keine sinnvolle Unterhaltung zustande kommen. Steht ein Patient einer Psychotherapie zu skeptisch gegenüber und sieht er darin keine echte Hilfe, dann wird er die Bemühungen des Psychologen mit großer Sicherheit nicht annehmen oder umsetzen.
Krankheiten des Gehirns oder Stoffwechselerkrankungen können unter Umständen die Disposition eines Patienten so einschränken, dass die Psychotherapie nur eine Qual wäre. Auch die Aussichten auf Erfolg reduzieren sich extrem. Eine ansatzweise Diagnose ist daher auf jeden Fall unumgänglich.
Bemerkt werden muss zudem, dass eine unmittelbare Diagnose beziehungsweise eine festgestellte Erkrankung jedoch kein alleiniges Kriterium ist, das das Behandlungsverfahren bestimmt. Sowohl die Frequenz als auch die Dauer und die therapeutische Verfahrensweise müssen auch immer bedarfsgerecht auf den Patienten zugeschnitten sein. Die Erkrankung ist daher nicht immer erstrangig.

Beendigung einer tiefenpsychologischen Behandlung

Grundsätzlich gilt, dass jeder Patient eine Therapie selbst beenden oder abbrechen kann.
Der optimale Zeitpunkt ist dann gegeben, wenn eine spürbare gesundheitliche Besserung eingetreten ist.
Des Weiteren kann eine Behandlung beendet werden, wenn Patienten gelernt haben, mit den Symptomen besser zu leben.
Im Fall eines vorzeitigen Abbruchs ist / wäre es ratsam noch mindestens zwei Therapiestunden zum „sogenannten“ Abschied wahrzunehmen.
Jeder Mensch steckt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit jedoch ein anderes Therapieziel, das er erreichen möchte.
Deshalb gibt es keine einheitliche Festlegung.
Obwohl in der Praxis die Anzahl der Sitzungen bereits das Therapieende vorzeichnet, kann bei der Krankenkasse ohne Weiteres ein Antrag auf eine Verlängerung gestellt werden.

Risiken & Nebenwirkungen

Wie bei allen medizinischen Behandlungen können gerade bei solche sensiblen und in die Tiefe gehenden Psychotherapien, die das Innerste eines Menschen angreifen, Risiken und Nebenwirkungen nicht ausbleiben. Trotz dieser Vorkommnisse und der menschlich normalen „Hochs und Tiefs“ ist die Erfolgsrate bei der Tiefenpsychologie äußerst hoch.
Insbesondere während der Sitzungen sind Verschlechterungen des Zustandes von Patienten durchaus auftreten. Die Gründe für psychotherapeutische Therapien sind erfahrungsgemäß vielschichtig. Sie mischen sich häufig.

Ursache für Misserfolge

Günstig für das Gelingen einer Behandlung ist eine stimmige „Chemie“ zwischen Therapeut und Patient.

Beim Psychotherapeuten liegen beispielsweise:

  • falsche Behandlung
  • ungenügendes Beherrschen psychotherapeutischer Verfahren
  • Therapieziele stimmen nicht überein
  • fachliches Unvermögen
  • unzureichende Zielfokussierung
  • sexuelle Übergriffe
  • Ausschlusskriterien bleiben unbeachtet
  • fehlendes Einfühlungsvermögen

Beim Patienten zu suchen sind:

  • fehlende Bereitschaft und Motivation
  • keine Unterstützung durch das soziale Umfeld
  • Schwere einer Erkrankung
  • ungünstige Lebensumstände
  • Verstärkung negativer Selbstattribution (Menschen schreiben sich selbst bestimmte Eigenschaften zu)
  • Resignation des Patienten
Fazit zur Tiefenpsychologie

Eine Tiefenpsychologie kann zu Beginn schmerzhaft und beschwerlich sein.
Am Ende einer Behandlung sehen die Patienten einen befreienden Effekt.
Sie sind in der Lage, ihr Leben neu zu ordnen und diesem wieder einen Sinn zu geben.
Eine derartige Behandlung ist keine verschwendete Zeit, wenngleich die Sitzungen beim Psychotherapeut auch nicht sofort einen Erfolg zeigen.
Geduld mit sich selbst und eine Chance für die Tiefenpsychologie lohnen sich unter Garantie.